HOME  > RÜCKBLICK  >   2006

der Klang der Ikone

Der Titel des Festivals 2006 - „Klang der Ikone“ - stellte die Frage nach dem Stoff des Phänomens Händel und den darin enthaltenen, innewohnenden Mechanismen von Repräsentations- und Produktionsformen, die in der Verschiebung der Aufmerksamkeit, von Festspielen und deren Untersuchungsgegenstand, sichtbar werden.

 

Thematisiert wurde ein zeitgenössischer Dialog mit dem Werk und der Person des barocken Meisters. Dieser lieferte den Ausgangspunkt über Veränderungen und Kontinuitäten in der Konstruktion eines Ereignisses, über Produktions- und Verwertungsmechanismen, über den Anteil der Inszenierung und über Projektions- und Übertragungstechniken nachzudenken.

 

Die Bezeichnung Festival im Festival veranschaulicht dabei Annährung und Distanz in der Auseinandersetzung mit G.F. Händel und bestimmt zugleich die Koordinaten in der sich Electric Renaissance bewegt.

 

Electric Renaissance umfasste vom 9. bis 17.6.2006 fünf Bestandteile:

 

Ausstellungen

in der Galerie Durchlauferhitzer mit Iris Kettner „Ohne Titel“,

im Ärzthaus Mitte mit Felix Meyer „Nachtwache; No Images, No Foto“, mit Nina Könnemann „Unrise“, mit Vreni

Spieser „Tanzboden“ und mit Michael Krenz „we will win“ sowie im Druckhaus am Stadtmuseum mit Max Neupert „Panoramedia“.

 

In den Ausstellungsbeiträgen sind Situationen neben Großveranstaltung thematisiert worden, in denen das Fehlen eines Ereignisses bzw. der Blick auf ein Ereignis vom Rande des Geschehens aus gesetzt war. Auf subtile Art und Weise wurden die spannungsgeladenen Situationen eingefangen, ohne diese selbst wiederzugeben.

 

Konzerte / Performances

in denen die Frage nach dem Umgang mit vorhandenem Material, mit Werk und Werktreue im Mittelpunkt stand.

 

„Händelhören“ mit Roland Roos und der Staatskapelle Halle unter der Leitung von Hans Rotman setzte sich mit die Arie „lascia, ch’io pianga“ von G. F. Händel auseinander, die neu aufgeführt, womit die traditionelle Konzertsituation und im besonderen das Verhältnis von Mensch und Maschine im musikalischen Kontext thematisiert wurde.

 

„Gokan“ mit Fine Kwiatkowski (Tanz), Lothar Fiedler (Gitarre), Dietmar Diesner (Saxophon) und Helge Leihberg (Malerei)

verband Musik, Bild und Tanz ohne literarische oder musikalische Vorlage, womit die Form zum alleinigen Inhalt wird.

 

„Singen“ mit Konrad Möhwald (Komposition, Piano), Sebastian Gerstengarbe (Text), Martin Majewski (Posaune) und Anne Kathrin Laabs (Gesang, Sopran) thematisierte, in der Form einer kammermusikalischen Aufführung, die kulturelle Wissensvermittlung im pflichtschulischen Alltag junger Menschen.

Im „cardboard project“ der Künstler Harald Busch und Rainer Wöhrmann, die aus der Musik und aus der bildenden Kunst kommend, bilden Realität, Bild vom Bild, Live-Performance und Aufzeichnung ein instabiles Gefüge, in dem Ausgangspunkt, Ergebnis und Endpunkt verschwimmen.

 

Panels

als Reihe Musik & Mythos in der Form des kommentierten Auflegens konzipiert, thematisierten im Teil I mit Prof. Jens Marggraf unter dem Titel „Was bringt die Oper auf die Bühne?“ 400 Jahre Operngeschichte und damit den Umgang mit Musik, Bild und Text. Teil II untersuchte, unter dem Titel „Rave 2010“ und dem Referenten (der Technolegende) DJ Tanith die zeitgenössische elektronische Musik, im Besonderen die Produktions-, Rezeptionsbedingungen, die Frage nach dem Umgang mit Urheberrecht im digitalen Zeitalter und dem Club als physischen Ort der Nachtunterhaltung.

 

Festivalfilm

„aesthetics aspects of the signal-noise-ratio“ von den Berliner „Universität der Künste“ Diplomanten Sebastian Purfürst & Christian Mahler aka www.lem-studios.com thematisierte die menschliche Wahrnehmung im Umgang mit den so genannten Neuen Medien und ist ein hervorragender populärwissenschaftlicher Dokumentarfilm, der im designtheoretischen Diskurs zu analoger und digitaler Gestaltung angesiedelt ist.

 

Der Festivalclub bot in Gestaltung und Booking vier durchtanzte Nächte im Ärztehaus Mitte mit Live Acts, Dj´s und Videokünstlern einen Querschnitt zeitgenössischer Clubkultur unter anderen mit: Modeselektor Bpitch-Control Berlin als den derzeitigen

Stars am Elektrohimmel, dem prämierten Drum`Bass Label 2005 Santorin feat. Dj Lightwood aus Tübingen, Beatnik und Flashnap aus Weimar und Wien sowie Kid Kameleon und DJ Ripley aus San Francisco und New York.

 

Plakat 2006

Graphik Tobias Euler

Flyer

Graphik Tobias Euler